Aktuelles

Handlungsoptionen im Umgang mit der Inflation und steigenden Zinsen

01.08.2022

Wenn am Ende des Geldes noch zu viel Monat übrig ist, bedeutet dies nicht nur für die Verbraucher, dass sie den Gürtel enger schnallen dürfen. Die Preise steigen seit Monaten – nicht zuletzt wegen den Lieferkettenproblemen, der Materialknappheit sowie aufgrund der mit dem Ukraine-Krieg im Zusammenhang stehenden Unsicherheiten. Seit März 2022 liegt die Inflation bei über 7%. Bezogen auf die Kosten für Wohnung, Wasser, Strom, Gas und andere Brennstoffe wurde im Juni 2022 sogar ein Wert von ca. 10,1% gemessen.1) Dem gegenüber steht die Europäische Zentralbank (EZB), welche mit einer Zinserhöhung dieser Entwicklung entgegenwirken möchte. Angesichts der Rekordinflation hat die EZB erstmals seit 11 Jahren den Leitzins angehoben – von 0,0% auf 0,5%. Weitere Zinserhöhungen in den kommenden Monaten sind wahrscheinlich.2)

Wie es mit den Zinsen und Preisen weitergeht, kann niemand mit Gewissheit sagen. Eine Entspannung dieser Kostensituation ist zurzeit nicht erkennbar. Doch welche Möglichkeiten haben Unternehmer*Innen, um die negativen Auswirkungen auf den eigenen Unternehmenserfolg zu reduzieren? Im Folgenden werden einzelne Handlungsoptionen vorgestellt:

Preiserhöhung

Wer steigende Kosten nicht weitergibt, geht das Risiko ein, selbst Verluste zu schreiben. Einer Preiserhöhung geht voraus, dass die eigene Kostenstruktur genauestens analysiert wird. In welchen Bereichen wird das eigene Unternehmen mit Kostensteigerungen konfrontiert und in welchem Ausmaß? Ist in den kommenden Monaten mit weiteren Steigerungen zu rechnen? Auf Basis der Ergebnisse sollten die einzelnen Produkte des Unternehmens neu kalkuliert werden. Je nach Kundengruppe kann es dabei sinnvoll sein, die Preise entweder einmal deutlich anzuheben oder die Preiserhöhung in mehreren kleinen Schritten durchzuführen. Dies ist nicht zuletzt auch davon abhängig, wie „austauschbar“ das eigene Leistungsangebot ist, bzw. inwiefern die Kunden auf andere Lieferanten ausweichen können. Insbesondere in diesem Fall ist Fingerspitzengefühl gefragt.

Preisanpassungen sind zurzeit an der Tagesordnung, so dass Kunden sich in Teilen bereits an diese Entwicklung „gewöhnt“ haben oder zumindest etwas mehr Verständnis aufbringen. Wichtig ist jedoch, dass Unternehmer*Innen ihre Kunden frühzeitig über die Notwendigkeit der Preisanpassungen informieren.

Kostensenkungen

Von den Preissteigerungen am Markt sind die Unternehmen je nach Branche unterschiedlich betroffen. Wichtig ist, dass Unternehmer*Innen die bedeutendsten Kostentreiber ihres Unternehmens kennen und die Kostenentwicklung analysieren. Im Folgenden werden einzelne Maßnahmen vorgestellt, welche (je nach Geschäftsmodell) zu einer Kostensenkung beitragen können.

Materialaufwand

  • Es sollte überprüft werden, ob durch höhere Bestellmengen der Einkaufspreis reduziert werden kann (Realisierung von Skalierungseffekten). Bei dieser Option muss zusätzlich auch der Einfluss einer größeren Bestellmenge auf die Lager- sowie Finanzierungskosten berücksichtigt werden. Ggf. kann es eine Alternative sein, sich mit anderen Unternehmen zu einer Einkaufsgemeinschaft zusammen zu schließen, um bessere Konditionen zu erhalten.
  • Suche nach Substituten, Einsatz von recycelten Materialen
  • Optimierung der innerbetrieblichen Prozesse um z.B. mögliche Verschnitt-Mengen zu reduzieren, bzw. die Materialien noch effektiver einzusetzen

Energiekosten

  • Beauftragung eines Energieberaters um Kosteneinsparpotentiale aufzudecken
  • Regelmäßige Anlagenwartung (Heizungsanlagen, Produktionsmaschinen, sonstiges)
  • Investition in neuere Technik, welche mit einem geringeren Energieverbrauch einhergeht
  • Investition in Wärmedämmung und alternative Energiequellen
  • Sensibilisierung der Mitarbeiter*Innen über den ressourcenschonenden Umgang mit Energie (u.a. Raumtemperatur & Lüftungsverhalten, nicht genutzte Geräte ausschalten (kein Standby), Erhöhung Homeoffice-Zeiten)

Sonstige betriebliche Aufwendungen

  • Einsatz von freien Mitarbeitern in Zeiten hoher Auslastung anstelle der Einstellung von neuen Mitarbeiter*Innen
  • Überprüfung sämtlicher Vertragsverhältnisse (Miete, Versicherungen, Leasing etc.): Werden diese weiterhin gebraucht? Wo gibt es Kosteneinsparpotentiale? Sinnvoll kann z.B. auch die Beauftragung eines Versicherungsmaklers sein, um Kosteneinsparpotentiale aufzudecken.
  • Werden die betrieblichen Räumlichkeiten voll genutzt oder kann die Fläche reduziert werden (z.B. Untervermietung, Fremdvermietung)?

Optimierung der innerbetrieblichen Prozesse

Von der Akquise bis hin zur Auftragsannahme und -durchführung sollten alle Prozessschritte analysiert und in Bezug auf vorhandenes Optimierungspotential untersucht werden. Hierbei ist auch der Einbezug des eigenen Mitarbeiterstamms sinnvoll, um das im Unternehmen vorhandene Know-how optimal zu nutzen. Neben der Digitalisierung einzelner kaufmännischer Prozesse (z.B. Digitalisierung der Buchhaltung, Mahnwesens, Nutzung von E-Rechnungen) können zusätzlich durch einfache Maßnahmen (z.B. Zentralisierung Wareneinkauf) oder Standardisierung des Leistungsangebots („weniger individuelle Sonderanfertigungen“) Erfolge erzielt werden. Welche Maßnahmen für welches Unternehmen infrage kommen, ist nicht zuletzt auch von dem Geschäftsmodell abhängig.

 

Aufbau einer nachhaltigen Finanzierungsstruktur

Ein Ende des Niedrigzinsniveaus ist erkennbar. Mit der Anhebung des Leitzinses steigen auch die Finanzierungskosten für Unternehmer*Innen. Mit Blick auf das aktuelle Marktgeschehen ist es sinnvoll, das eigene Unternehmen einem Finanzierungscheck zu unterziehen. In diesem Zusammenhang stehen u.a. die folgenden Fragestellungen im Fokus der Analyse:

  • Was bedeutet ein Zinsanstieg für die Ertragslage des Unternehmens?
  • Wie hoch ist der Kapitalbedarf in der Zukunft?
  • Wie viel Kredit kann sich das Unternehmen leisten?
  • Welche Investitionen plant das Unternehmen?
  • Gibt es Abhängigkeiten von einzelnen Finanzpartnern und wie lassen sich diese reduzieren?
  • Wie bewerten Finanzpartner das Unternehmen und was kann getan werden, um die eigene Verhandlungsposition und in der Folge auch die Kreditkosten zu verbessern?

    Durch die Beantwortung dieser und weiterer Fragestellungen können wichtige Erkenntnisse für die Gestaltung der zukünftigen Unternehmensfinanzierung gewonnen und Kosteneinsparpotentiale identifiziert werden.

Gerne stehen wir Ihnen für Rückfragen zu diesem Thema zur Verfügung.

 

Ihr JFS-Team

 

  1. Vgl. https://www.destatis.de/DE/Themen/Wirtschaft/Konjunkturindikatoren/Basisdaten/vpi001j.html
  2. Vgl. https://www.tagesschau.de/wirtschaft/finanzen/leitzinserhoehung-ezb-101.html

Newsletter

„Der Informant“ / „JFS-Breaking-News“


 

Wir versenden alle 2 Monate unseren JFS-Newsletter „Der Informant“. Für Sie ausgewählte (tagesaktuelle) Themen versenden wir in unregelmäßigen Abständen über unsere „JFS-Breaking-News“. In jeder E-Mail haben Sie die Möglichkeit sich wieder auszutragen. Ihre Anmeldedaten, der Versand und statistische Auswertungen werden über CleverReach verarbeitet. Hier finden Sie weitere Informationen zum Datenschutz und Sicherheit.

Dieser Newsletter wurde mit größter Sorgfalt nach bestem Wissen und Gewissen erstellt. Die JFS-Gruppe übernimmt keinerlei Gewähr für die Aktualität, Korrektheit und Vollständigkeit der bereitgestellten Informationen. Jegliche Haftung für Schäden, die direkt oder indirekt aus der Benutzung dieses Newsletters oder der auf der Homepage veröffentlichten Fachbeiträge entstehen, wird ausgeschlossen.

Unser Team ist groß genug für eine umfassende Betreuung und große Aufgaben – aber nicht zu groß für ein persönliches Gespräch.

KONTAKT AUFNEHMEN